Religiöse Kunst in unseren Kirchen

Hl. Agatha in der Kapelle in Rotzingen

Wer die Kapelle in Rotzingen betritt, wird zunächst vom freundlichen Blick der Statue der hl. Agatha begrüßt. Aber wer ist diese hl. Agatha? Wie kommt sie gerade in die Kapelle nach Rotzingen?

Weil es an schriftlichen Belegen fehlt, ranken sich gar viele Legenden um das Leben der hl. Agatha. Sie war Kind vornehmer Eltern aus Catania auf Sizilien. Auf Grund ihrer Schönheit und dem Reichtum ihrer Eltern begehrte sie Quintian der zu jener Zeit Statthalter von Sizilien war. Sie war Christin und wies deshalb den heidnischen Mann zurück. Mit einer Verhaftung versuchte Quintian ihren Willen zu brechen; doch sie blieb standhaft. Daraufhin ließ er ihre Brüste abschneiden. Nach dieser Folter soll der hl. Petrus sie im Kerker besucht haben um ihre Wunden zu pflegen. Daraufhin war Quintian wütend und ließ sie über glühende Kohlen schleifen, so dass sie kurz darauf starb. Sie lebte vermutlich von 225 bis zum Jahr 251. Als später der Ätna wieder einmal ausgebrochen ist, zogen die Einwohner ihren Schleier dem Lavastrom entgegen, worauf dieser stoppte und die Stadt Catania verschonte. Sie wird in der katholischen, wie auch in der orthodoxen Kirche als Märtyrerin verehrt und wird im ersten Hochgebet erwähnt. Ihr Gedenktag ist am 5. Februar. Sie ist die Schutzheilige von Sizilien und wird bei Brustkrankheiten, Erdbeben, Viehseuchen, Hungersnot und Feuersbrunst angerufen. In der Darstellung finden wir sie oft mit abgeschnittenen Brüsten auf einem Teller, einem Kohlebecken unter ihren Füßen, einer Fackel oder einer Zange in der Hand als Symbol für ihr Martyrium. Im Laufe der Zeit wurde ein Laib Brot zum Sinnbild für die abgeschnittenen Brüste in der Darstellung der Künstler. Vielerorts wird ein Laib Brot gesegnet, auch als Agathabrot bezeichnet.
 
Die besondere Verehrung der hl. Agatha in Rotzingen geht ebenfalls auf eine Legende zurück. Eines nachts sah man in Rotzingen einen roten Feuerschein in westlicher Richtung. Schnell trommelte man die Löschmannschaft zusammen und machte sich mit allen Gerätschaften zur Hilfe auf den Weg. Wohl gleichzeitig zeigte sich auch in Strittmatt eine Feuerröte, allerdings in östlicher Richtung. Auch hier machte man sich zur Hilfe auf den Weg. Auf dem Thunig (Duenig), einer Hochebene zwischen Rotzingen und Hartschwand, standen sich die beiden Löschmannschaften plötzlich gegenüber. Die Verwunderung über diese Begegnung war groß. Und eh man sich versah, war die Feuerröte verschwunden. Die Freude über diesen seltsamen Fehlalarm war groß. Voller Dankbarkeit über diesen glücklichen Ausgang beschloss man die hl. Agatha als Schutzpatronin gegen Feuersbrunst zu verehren. In Rotzingen wurde sie damit sogar zur Ortspatronin. Dies zeigt sich mit der Fackel im Wappen von Rotzingen welches 1958 vom Land Baden-Württemberg verliehen wurde. Ende der 1950ger Jahre wurde die Kapelle grundlegend renoviert. In diesem Zusammenhang fand eine Statue der hl. Agatha einen Platz unter der Empore. Da sie Dorfpatronin ist, wechselt sie im Februar ihren Platz auf den Sockel über den rechten Seitenaltar. Am 5. Februar wird ihr zu Ehren ein Festgottesdienst gefeiert und das Agathabrot gesegnet. In früheren Zeiten machten kulturelle Veranstaltungen diesen Tag zu etwas Besonderem. Für die Schulkinder der früheren Schule in Rotzingen war dieser Tag nicht nur deshalb ein Feiertag. Der Hauptgrund war wohl, dass am sogenannten Agathatag immer schulfrei war.

Andreas Baumgartner  


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